Schreiben ist in die Muschel hören


Inhalt: Maria, eine begabte Gymnasiastin, wird von ihrer ergeizigen Mutter ständig unterdrückt und zum "Vorzeigepüppchen" degradiert. Die Mutter will nach außen glänzen und versteckt ihre eigene Schwäche hinter dieser Fasade. Als Maria Gabi kennenlernt, die sich mit ihrem Freund Kurt des psychisch kranken Erhards animmt, lernt Maria die Welt der sozial Schwachen kennen. Nach erbitterten Kämpfen im Elternhaus durchbricht sie die Gitterstäbe des Käfigs und findet zu einem offenen, selbstständigen Lebensstil.

Preis: 14 €    ISBN: 978-3-86268-015-3  

www.engelsdorfer-verlag.de

Klapptext: Der Dichterin gelingt es, Gefühle hamonisch in  Worte zu fassen. Unterstützt wird sie hierbei durch die Illustrationen der Zeichnerin Olga Koulikova.


Dauerlauf

Laufen, rennen, hasten

wollen es schaffen schneller zu sein, als der Wind

hinter ihnen die Absperrung, drängelnde Menschen

ihre Fans

Verfolgt von ihren Schatten, jagen sie davon

hört er denn ihre Pfiffe nicht, der Letzte

ganz hinten, feuert ihn an,

weiter, immer weiter

 Seht ihr nicht wie seine nassen Hände

ergreifen den Zaun,  abrutschen

wollen nach ihm rufen, schreien

ihn zu erreichen ist ihr Ziel

sehen ihn liegen am Boden

Steht auf, geht nach hinten, ganz nach hinten

gebadet in Schweiß

fühlen sich ihm so nah

sein Gesicht ganz weiß


Genügend Zeit um zu lernen

Gib mir deine Hand

lass mich mit dir gehen

 halt die Zeit an

damit genügend bleibt

um zu lernen

Sich selbst zu akzeptieren

unsere inneren Ängste

die uns bedrängen

jedoch ein Teil von uns sind

unserer Seele

Lass uns lernen zu kämpfen

um eine Zeit, die nie ändet

um ein Weinen dass uns befreit

um ein Lachen, dass Gefühle  zeigt 

uns nicht aufgeben lässt 

Lass uns glauben

dass es irgendwo ein Licht gibt 

das die Nacht zum Tag werden lässt

den Kampf des Lebens besiegt 

und so die ewige Freiheit schenkt


Abschied

Du gehst, hast das Licht gelöscht

jetzt sitz ich hier im Dunkeln

alleine

Sehe nicht das Licht

das auf den Rotwein fällt

erfreue mich nicht mehr

an der vollen Blüte der Rose

Fühle deine Wärme nicht mehr

vielleicht bringst du ja

was ich vermisse

wenn du wiederkommst??


Preis: 6 €   ISBN: 978-3-86703-118-9

                   ISBN: 3-86703--118-5

www.engelsdorfer-verlag.de


Folgender Text war als Interview veröffentlicht:


Frau Gradl, in Ihrem Gedichtband sprechen Sie von persönlichen Eindrücken und den Sehnsüchten, Wünschen und Ängsten des heutigen Menschen. Ihre Gedichte zeichnen sich durch ein tiefes Nachdenken über die Grundlagen von Welt und Mensch aus. Was inspiriert sie zu einer solch tiefen, nachdenklichen Sicht?

Nun, ich mache mir sehr viele Gedanken. Besonders über die Menschen. Ich finde, dass zum Teil sehr oberflächlich gelebt wird. Viele Menschen funktionieren, weil sie eben zu funktionieren haben. Ich finde, es werden tieferen Gedanken zu wenig Platz eingeräumt. Es werden, finde ich auch, zu hohe Erwartungen gestellt. Vielleicht machen tiefe Gedanken den Menschen Angst. Das möchte ich auch auf keinen Fall abstreiten, aber ich finde, die tiefen Gedanken geben auch eine schöne Freiheit. Selbst die, die traurig sind oder weh tun.


In unserer Welt, die durch Medien, Internet und Computer immer mehr vernetzt wird, sollte der Zusammenhalt unter den Menschen wachsen und zum Frieden beitragen können. Doch ein Blick genügt, um diese Hoffnung als Illusion entlarven zu müssen. Wie beurteilen Sie diesen Zwiespalt zwischen den zumindest technischen Möglichkeiten für ein theoretisch friedlicheres Zusammenleben und der gleichzeitig zunehmenden Entfremdung und Anonymität im menschlichen Miteinander?


Für mich stellt sich hier die Frage, ob man dem Internet bzw. der Technik immer die Schuld an der zunehmenden Kälte unter den Menschen geben kann, denn letzten Endes ist ja der Mensch Herr über die Technik und nicht umgekehrt. Deshalb kommt es darauf an, wie eben mit diesem Fortschritt umgegangen wird, sprich mit welcher Verantwortung. Natürlich ist hier mehr Platz für Anonymität, die auch leicht ausgenutzt werden kann.

Aber genau das kann zu einem verantwortlichen bzw. unverantwortlichen Handeln führen. Aber die Verantwortung dafür trägt immer der Mensch, auch wenn die Verführung groß ist.

Aus Ihren Gedichten spricht immer wieder auch die Hoffnung auf Veränderung. Manche Ihrer Zeilen sind wie ein Spiegel, in den der Mensch schaut. Gleichzeitig verstehen Sie es, ernste Fragen und persönliche Eindrücke mit einem Schuss Humor und Ironie zu versehen. Frau Gradl, sind Sie ein fröhlicher und optimistischer Mensch?

 Ich kann diese Frage nicht so eindeutig beantworten, weil ich denke, dass es Situationen gibt, in denen man keinen Humor mehr haben kann. Und ich brauche sehr lange, um solche Dinge zu verarbeiten. Das heißt aber nicht, dass ich alltägliche Situationen nicht lustig finde, oder vielleicht finde ich sie gerade deshalb lustig. Es ist ja auch beim Schreiben so, dass man die traurigsten Dinge in Humor packen kann. Das heißt dann nicht, dass ich mich darüber lustig mache, sondern das lockert die Situation für Leser und Autor auf, was ich beim Schreiben als sehr angenehm empfinde.

Viele Leser wissen nicht, dass aus den Gedichten ein Mensch spricht, der spastisch behindert ist. Sie selbst reden auch nicht so gerne darüber. In Ihrer Wahrnehmung und tieferen Betrachtung erfahren Sie ja sicher die verschiedensten Reaktionen. Sind diese Reaktionen vielleicht ein Grund, der es Ihnen ermöglicht mit einer Art tieferem Sensor die Hoffnungen und Fragen der Menschen wahrzunehmen, und sie auf Ihre eigene Art widerzugeben?

Ja, ich glaube schon, dass ich die Menschen anders betrachte, Menschen sind sehr interessant. Wenn ich mit Menschen zusammen komme, sind es die unterschiedlichsten Reaktionen, die mich erwarten. Zum Teil sehr Positive, wo ich mich als Mensch geachtet fühle, zum Teil aber auch sehr Verletzliche. Woran liegt das? Meine Vermutung ist, dass das eine einfache Missachtung menschlicher Schwäche ist. Eine Körperbehinderung ist eine sichtbare Schwäche. Infolge der oftmals als Nichtachtung erlebten Situationen, ist es verständlich, dass Menschen, mit unsichtbaren Schwächen bzw. Behinderungen, diese nicht mehr zeigen wollen, weil eben die Verletzungen zu groß sind. Ich schätze mal, dass ich das auch machen würde, wenn ich die Möglichkeit dazu hätte.

Frau Gradl, welche Bedeutung hat der christliche Glaube für Sie, die Sie durch ihre Gedichte den Lesern Horizonte der Hoffnung und eine Perspektive des Lebens schenken, die doch manche Parallelen zum christlichen Verständnis der Hoffnung und Zuversicht enthalten.

Nun, ja ich glaube an das Leben nach dem Tod. Ich denke mal da hat Gott bei dem vielen Unrecht wohl noch einiges zu tun.

Interviewer: U. O.